Schumann’s Bar Muenchen
Charles Schumann lernte ich 1979 in der Muenchner „Harry’s New York Bar“ kennen, wo er bei Dill Deck als charismatischer Barkeeper arbeitete. Ich hatte in diesem Jahr Atelier und Wohnung an den Viktualienmarkt verlegt – in „walking Distance“ zur Bar also. Mein damaliger Arbeitsrhytmus ging von Mittag bis Mitternacht und dann musste man natuerlich noch ausgehen um „runterzukommen“. Ich war in den Jahren davor des öfteren in der Karibik gewesen und geprägt davon mit entsprechenden Trinkgewohnheiten und Vorlieben. Heisst: Viel Rum oder Cachaca mit variablen Zutaten. Charles war eher nicht der Freund von „dem suessen, klebrigen Zeug“ wie er sagte, hatte aber hatte trotzdem Lust neue Dinge auszuprobieren.
1982 eröffnete er mit Peter Kramer dann die eigene Bar in der Maximilianstraße. Und wie die meisten seiner Gäste zog auch ich mit dorthin. Ich war nie das, was manche als „Schumannianer“ bezeichneten. Hatte nie einen Stammplatz (mit Namensschildchen im Tisch oder so) und auch keinen bestimmten Tag oder Tage an denen ich in der Bar anzutreffen war. Anfangs entsprach der Platz auch ueberhaupt nicht meinen Vorstellungen von einer Bar. Zu voll, zu eng, zu laut – jeder wollte drin sein – um „in“ zu sein. „The Hot Spot of the Town“ ueber Jahre – fuer manche auch heute noch!
Charles besuchte mich zu dieser Zeit oft im Atelier und schon vor Eröffnung seiner Bar fing er vermehrt und beharrlich an ueber sein „Barbuch“ zu sprechen, das er gerne machen wuerde – und zwar mit mir! Mein Interesse hielt sich erstmal in Grenzen – ich arbeitete zu dieser Zeit „querbeet“ als Illustrator fuer Werbeagenturen und Verlage. Ich verstand zwar auch was von Grafik aber vom „Buechermachen“ als spezieller Disziplin hatte ich nicht viel Ahnung und es interessierte mich auch nicht besonders. Was Charles aber nicht davon abhielt, es trotzdem mit mir versuchen zu wollen, obwohl eigentlich all die damaligen „Cracks“ auf diesem Gebiet seine Gäste waren und dies selbstverständlich auch gerne mit ihm gemacht hätten?
„Eine Garage mit Lueftungsschlitzen“ war in einem Kommentar der SZ anfangs über sein rigoros neues Konzept von „Schumann’s“ zu lesen. Aber auch „A thinking Man’s Bar“ in der amerikanischen Newsweek: Charles Konzept jedenfalls setzte den neuen Trend und läutete in der Folge hierzulande eine neue Barkultur ein. Und ähnlich konsequent gingen wir auch unser erstes Schumann’s Barbuch an, das 1994 bei Heyne erschien. 1999 folgte das Tropical Barbuch und 1991 dann American Bar – die Bibel, die weltweit zum Barbuch Nr.1 avancierte und leider auch viele Nachahmer fand. 2003 –anlässlich des Umzugs der Bar zum Odeonsplatz machten wir Schumann's Maximilianstrasse 36 ueber 20 Jahre Schumann’s. (mehr Infos zu den Buechern unter www.collection-rolf-heyne.de)
Neben diesem „Buechermachen“ begleitete ich die Bar auch seit den fruehen Anfängen 1982 als „Hausgrafiker“. Von Anfang an entwickelte ich gemeinsam mit Charles dieses konsequente und unprätentiose Erscheinungsbild so wie es sich heute noch zeigt. Über die Jahre gab es neben wechselnden Barkarten natuerlich jede Menge anderes „Kleinzeug“ zu entwerfen, zu gestalten und zu realisieren wie beispielsweise Bewirtungsbeleg, Streichholzbriefchen, Zuckerbeutel, Untersetzer, Reserviert-Schildchen, Postkarten fuer Veranstaltungen u.s.w. und so fort... Anzeigen fuer diverse Magazine wurden ebenfalls ab und dann gemacht. Auch bei Schumann’s Produkten wie z.B. diversen Etiketten oder Verpackungen fuer Gläser, Barausstattung, Portwein oder Kaffee gab es „Gestaltungsbedarf“.
Und auch bei so manchen Gemeinschaftsprojekten oder Kooperationen mit Siemens (Drinks & Tapas), Campari, Baldessarini, Villeroy&Boch, Schott-Zwiesel – um einige aufzuzählen – hatte ich „die Finger drin“!
Exemplarisch zeige hier Auszuege aus einigen Barkarten (Drinklists), Drinks & Tapas (Siemens), Campari, Basic Bar Selection (Schott-Zwiesel) und einige Anzeigen. Mehr: www.schumanns.de